
Statement
München, den 07.02. 2023
Unser Statement zur Absage und Auflösung der österreichischen Band RUSSKAJA
Liebe Fans und Gäste (Männlein, Weiblein und Divers),
viele von Euch haben sicher schon mitbekommen, dass das Konzert von Russkaja am 24.02.2023! abgesagt wurde. Der Grund dafür ist die Auflösung der Band aufgrund des brutalen russischen Kriegs gegen die Ukraine. Wir verstehen diese Entscheidung und bedauern zugleich sehr, dass mit dem Ende von Russkaja auch ein Stück inspirierender Musikgeschichte endet. Seit mittlerweile Jahrzehnten war die Gruppe um Georgij Makazaria regelmäßig Gast auf unseren Bühnen im Backstage und hat Tausende von Fans mit ihrem einzigartigen Polka-Sound begeistert.
An dieser Stelle ein Auszug aus dem Statement der Band zu Ihrer bedauernswerten Auflösung: „Dies ist der traurigste Tag der Bandgeschichte nach 18 Jahren, aber der wütende Krieg in der Ukraine, den Russland am 24. Februar 2022 begonnen hat, macht es uns unmöglich, mit einem Image & Style weiterzumachen, die sich auf satirische Weise der Sowjet-Thematik und -Sprache bedienen.“ (Russkaja)
Der Angriff auf die Ukraine durch Russland torpediert die künstlerische Idee von Russkaja, russische Kultur, Sprache und andere Attribute satirisch-fröhlich mit anderen kulturellen Elementen zu mischen. Der Geist der Völkerverständigung über Grenzen hinweg, das Feiern in multikultureller Gemeinschaft und die Toleranz gegenüber anderen Kulturen waren immer Werte, für die Russkaja stand, jetzt aber durch Russland zerstört werden.
Es verdient unseren höchsten Respekt, dass die Bandmitglieder (und ihre Kinder) mittlerweile nicht einmal mehr die eigene Merchandise-Kleidung tragen aus Pietät gegenüber den ukrainischen Opfern. Und es ist traurig zu lesen, dass die Band und Crew mit der Auflösung auch vor dem finanziellen Ruin stehen. Denn wie so viele andere Bands sind gerade Live-Shows und Merchandise heute wesentliche Einnahmequellen, die nun wegbrechen. Hinzu kommen noch die Ausfälle durch die Corona-Pandemie.
Wütend macht uns als Freunde der Band und als Veranstalterin, dass die Auflösung in den letzten Wochen noch zusätzlich forciert wurde durch massive Angriffe auf die Band in den Social Media: Behauptungen, dass Russka-
Nachdem sich herausgestellt hat, dass wegen der Tourplanung der Bandauftritt zufällig just an diesem denkwürdigen Datum bei uns hätte sein sollen, waren wir gerade dabei besonders mit dieser Band/Veranstaltung auch durch zusätzliche begleitende Aktionen ein weiteres klares Statement und Hilfe für die Ukraine zu schaffen. - Jetzt lachen zynischerweise erst mal (wieder) Putins Schergen - auch bei uns im Land und in der Stadt.
Wir sind der Meinung, dass der/die russischen Machthaber diesen widerlichen Krieg doch eigentlich schon 2014 begonnen haben und diesen dann allerdings seit dem 24. Februar 2022 nur noch extrem brutalerer und menschenverachtender - vorrangig und unvergleichlich schrecklich gegen alle UkrainerInnen - aber auch gegen die eigene Bevölkerung sowie mit absolut unvergleichlich weniger Opfer und Leid letztendlich auch gegen uns alle führt/führen! So haben wir hier alle - ein der Großteil unserer Politik genauso wie Bevölkerung - zumindest eine Mitverantwortung für das unsägliche und jetzt in Europa eigentlich nicht mehr vorstellbare Leid. Ließen wir da nicht viel zu willfährig schon seit Jahren Putin und seine Handlanger beispielsweise in der Ukraine, Syrien, Georgien oder Tschetschenien wüten? Besonders wir Deutschen sollten doch aus der schrecklichen Erfahrung unserer Geschichte eine höhere Sensibilität wie Bereitschaft zu einem „Nie wieder Nie wieder Nie wieder Nie wieder“ zeigen.
ja das grausame Regime von Putin unterstützen oder gar den Krieg gegen die Ukraine fördern, weil sie ja russische Elemente in ihrer Musik benutzen, sind so absurd, dass man hier böswillige Absicht und bewusstes Falschverstehen unterstellen muss: „Textzeilen werden falsch interpretiert und als pro-russisch dargestellt. Die Bandmitglieder werden als russische Terroristen hingestellt, obwohl wir das genaue Gegenteil davon sind.“ (Russkaja). Seit dem Krieg stand jedes Konzert unter dem Motto „Hey Moscow — let’s stop this fucking war!“, bereits am 24.02.2022 gab die Band ein Statement ab, in dem sie den Krieg deutlich kritisierte: „Unglücklicherweise hat die aktuelle russische Regierung Europas größte Errungenschaft gestohlen: die Freiheit.“ (Russkaja) Dass mittlerweile die Band und Crew um ihre Sicherheiten fürchten müssen und die Hallenbetreiber wie das Backstage als pro-russisch und kriegshetzerisch dargestellt werden, weil sie Russkaja eine Bühne geben, zeigt, dass Gewalt, Hetze und Propagandamethoden nicht nur Mittel von irren Despoten oder extremistischer Gruppierungen sind, sondern auch in unserer demokratischen Gesellschaft benutzt werden. Es ist nichts anderes als eine Frechheit und zugleich Verdrehung der Tatsachen, gerade auch das Backstage mal wieder (nun mit solchen) Vorwürfen zu diskreditieren, obwohl wir konkret in dieser “Angelegenheit” zum einen schon seit Beginn des Ukraine-Krieges weit überdurchschnittlich zahlreiche (Benefiz-)Veranstaltungen mit ukrainischen KünstlerInnen und spezielle Konzerte organisieren sowie zahlreiche ukrainische und Putin-kritische Projekte solidarisch auf unsere Kosten unterstützen. Zum anderen äußern wir uns sowohl in der Öffentlichkeit wie auf unserem Gelände unübersehbar explizit so eindeutig Putin-kritisch wie wohl kein anderes nicht-ukrainisches Kulturzentrum. Hierfür mussten und müssen wir viele Anfeindungen oder sogar schlimmeres hinnehmen.
Auch wenn das im Vergleich zum unsäglichen Leid der UkrainerInnen fast schon belanglos sein mag, ist es für uns dennoch sehr bitter, dass nun eine weitere in vielerlei Hinsicht wunderbare Band, welche eben sogar seit Jahrzehnten zu unserem regelmäßigen Programm gehört, wegbricht. Das ist sowohl allem vorran ein weiterer erheblicher künstlerischer wie gesellschaftlicher Verlust für uns. Daneben trifft uns so etwas als bisher nicht-öffentlich geförderte Einrichtung natürlich leider auch wirtschaftlich, was wir eigentlich nicht kompensieren können. Insbesondere wo wir - entgegen teilweise anderslautender Behauptungen - aus unserem eigenen hohen gesellschaftlichem Anspruch zum einen oft auf lukrative Veranstaltungen und KünsterInnen im Vorhinein verzichten oder zum anderen wo aufgrund des in letzter Zeit immer häufiger und stärker werdenden öffentlichen Drucks aus den unterschiedlichsten Hintergründen Veranstaltungen eingeschränkt oder gar abgesagt werden müssen.
Wir hoffen dennoch sehr, dass der Krieg gegen die Ukraine so schnell wie möglich beendet wird, da jeder Tag nur mehr unerträgliches Leid verursacht. Stopp Putin! Fuck Putin! Ebenso hoffen wir aber auch, dass die Mitglieder von Russkaja irgendwann wieder gestärkt aus der Krise kommen und auf unsere Bühnen spielen werden.
In diesem Sinne Euer trauriges und wütendes
BACKSTAGE
Backstage Concerts GmbH
D - 80639 München
Tel.: +49 (0) 89 – 12 6610 – 0
E-Mail: kontakt@backstage.eu
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