
14.06.2023
Unser Statement zur Absage der geplanten Veranstaltung der Freien Wähler mit Hubert Aiwanger
Statement
München, den 14. Juni 2023
Die geplante Veranstaltung der Freien Wähler mit Hubert Aiwanger am 29.06.2023 kann bei uns im Backstage nicht statt finden!
In Kürze: aufgrund der jüngsten Entwicklungen und Äußerungen rund um die Freien Wähler bzw. deren Vorsitzenden Hubert Aiwanger, sehen wir es jetzt als alternativlos an, die geplante Veranstaltung der Partei nicht auf unserem Gelände stattfinden zu lassen, da diese in keinster Weise mit den Werten des Backstage vereinbar sind.
Hinzu kommt, dass der Inhalt und Umfang der Veranstaltung ursprünglich anders an uns kommuniziert wurden.
Hierzu unsere Stellungnahme, die wir bereits in fast identischer vorab den Freien Wähler(Innen) mitgeteilt haben:
Liebe Backstage-Gäste, KünstlerInnen und PartnerInnen,
nach zahlreichen schlaflosen Nächten und weiteren Besprechungen in unserem Team als auch direkten Kontakt mit den Freien Wähler(Innen) müssen wir jetzt endlich den schon seit Wochenbeginn feststehenden Entschluss nun auch öffentlich bekannt geben, dass die Veranstaltung in dieser Art bei uns nicht stattfinden kann.
Zunächst mal kurz einige Stichpunkte, die uns zu dieser Entscheidung gezwungen haben:
Zum einen entspricht diese Veranstaltung in Umfang und Art nicht dem, was eigentlich ursprünglich bei uns angefragt war.
Zum anderen und für uns am schwerwiegendsten sind die Äußerungen und Auftritte in Inhalt und Form - allem voran vom Vorsitzenden der Freien Wähler Hubert Aiwanger - in den letzten Wochen und noch schlimmer die aktuellen Vorkommnisse am vergangenen Wochenende in Erding.
Für so etwas können wir nicht zur Verfügung stehen und lehnen das strikt ab.
Das Backstage steht für bestimmte und klare Haltungen, dazu gehört u.a. auch sowohl der Spaltung der Gesellschaft als auch der Verbreitung von Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzuwirken. Aber auch andere Dinge wie Ökologie, alternative Lebens- und Wirtschaftsentwürfe.
Dies beinhaltet zwar auch in einem gewissen Umfang Gruppierungen, Personen, KünstlerInnen bei uns zuzulassen, die vielleicht auch mal in einer konträren Haltung gegenüber der Meinung von einem Großteil des Backstage-Teams oder der Backstage-Gäste und KünstlerInnen stehen, solange da ein demokratischer und sachlicher Austausch stattfindet und rote Linien nicht überschritten werden.
Rote Linien sind für uns unter anderem überschritten wo gehetzt, menschenfeindliche oder minderheitendiskriminierende Haltungen verbreitet wird oder keine klare Abgrenzung gegen Rechtsextreme oder demokratiefeindliche Gruppierungen oder Personen statt findet.
So mussten wir nun jüngst feststellen, dass hier diese Roten Linien zu unserem Entsetzen klar und mehrfach überschritten worden sind:
1. Wie bereits erwähnt - der leider auch wohl stark populistische und sogar eher hetzerische Auftritt des Parteivorsitzenden am Samstag in Erding, wo dieser sich ohne Gegenpositionierung von eben diesen (Rechtsextremen, Demokratiefeinden, falschen Alternativen) beklatschen ließ. - So was darf und wird sich bei uns nicht wiederholen. - Wir werden auch keine Veranstaltungen bei uns auf dem Gelände akzeptieren, wo wir parallel dazu selber zu Gegendemonstrationen aufrufen, wie es absurderweise mittlerweile ja nun schon wiederholte Mal hier in München der Fall war.
2. Die populistischen und LGBTQIA+-feindlichen Aussagen hinsichtlich der Lesung der Drag-Queen und des Drag-Kings in einer Münchner Bibliothek, was dann unteranderem wohl zur Blaupause der wiederwärtigen, unerträglichen aktuellen Plakatkampagne der AfD geführt hat.
folgend noch eine persönliche Anmerkung von unserem Geschäftsführer Hans-Georg Stocker*: * Persönliche Anmerkung vom Backstage Gründer und Geschäftsführer Hans-Georg Stocker:
Ich hoffe im Sinne unseres Gemeinwohls sehr, dass die Freien Wähler(Innen?) und vor allem auch deren SpitzenrepräsentantInnen sich zukünftig klar positionieren und auch die Art und Form der Aussagen überdenken und auch ggf. ihren Spitzenkandidaten zur Räson rufen. Das weiter unter dem Motto vielleicht sogar zu beschönigen: „Mei da hod hoid da Hubsi in seina niederboarisch deftigen Art moi wieda oan rausg´haun“ geht da leider nicht mehr.
Ich ging eigentlich stets davon aus, dass die Freien Wähler(Innen?) - die doch eigentlich auch aus der parteifreien politischen sehr diversen Bewegung kommen - eine zwar bürgerliche, aber freiheitliche politische Kraft seien, die eine demokratische und liberale Alternative zur demokratiefeindlichen und immer stärker klar rechtsextremer werdenden „Alternative für Deutschland“ sein könnte, welche BürgerInnen anspricht, die vielleicht weder die Ampel-Parteien noch die Union wählen wollen. Ich hoffe daher nicht, dass sich nun diese Partei (die ja ursprünglich gar keine war) zur AfD 2.0 oder deren inhaltlichen Steigbügelhalterin entwikkelt, wie es aktuell bestürzender weise leider zu sein scheint.
Sollten sich die Freien Wähler entsprechend eindeutig positionieren, bin ich und sind wir als Backstage für Gespräche und einem offenen Dialog natürlich weiterhin nicht nur jederzeit bereit, sondern würden uns den Austausch sogar wie stets mit allen freiheitlich-demokratisch orientierten Parteien wünschen, um dann auch zukünftig ihre Haltung und Vorstellungen bei uns im Backstage konstruktiv und sachlich öffentlich darstellen zu können. Natürlich sollte das hiernach entsprechend in Form und Ausrichtung klar vorkommuniziert werden, damit entsprechende Missverständnisse oder gar Schlimmeres - wie gerade - unbedingt vermieden werden kann.
Ungeachtet dessen werden wir/ich auch zukünftig politische Veranstaltungen hier im Backstage zulassen. Nicht nur „neutrale“ Diskussionsveranstaltungen, sondern auch Veranstaltungen von Parteien, wobei wir natürlich zukünftiger leider noch genauer und kritischer darauf schauen müssen. Denn Parteien sind für unsere Gesellschaft ein wichtiger Ankerpunkt ebenso wie eine auch durchaus mal konträre und nicht unserer Meinung entsprechende politische Auseinandersetzung, welche allerdings immer fair, respektvoll und sachlich bleiben soll. Mit dieser Haltung ist uns auch bewußt, dass wir uns es damit keinesfalls leicht machen und wir uns immer der Gefahr aussetzen da ins Feuer zu laufen. Jedoch wollen und können wir - wie bei anderen Dingen ebenso - nicht den einfachen Weg gehen; wie mittlerweile immer mehr KollegInnen oder andere Locations, die parteipolitisch unabhängig bzw. ungebunden sind, und deswegen oder trotzdem gar keine politischen oder gar Parteiveranstaltungen mehr bei sich zu lassen.
PS: Leider steigt da bei mir und unseren MitarbeiterInnen gerade der Pessimismus, insbesondere wenn wir die jüngsten Äußerungen von Herrn Aiwanger ertragen müssen (Gauland und Co. lassen grüßen), der nun nur eher einen drauf setzt. - Das wird gerade zunehmend gruseliger, vor allem wenn mann bedenkt, dass dieser bis jetzt unser stellvertretender Ministerpräsident ist.
Wie vorangehend dargelegt bleibt mir dabei wichtig, jetzt noch nicht die ganzen Freien Wähler(Innen) in die extremistische, rechte Ecke zu stellen - selbst, wenn mir das zunehmend schwer fällt.
Ich persönlich kenne sehr honore Persönlichkeiten, die da (FW) seit vielen Jahren Mitglied sind und die mit dieser Art von Politik in Stil und Inhalt eigentlich bis jetzt nichts gemein hatten. Allerdings wären da bei den Freien Wähler(Innen?) mittlerweile alle Mitglieder und natürlich vor allem die politisch Verantwortlichen in dieser Partei gefragt, sich entsprechend zu positionieren - sorry, die dürfen sich jetzt nicht weg ducken, sondern müssen endlich mal dringendst gegen ihren „Capo“ das Maul auf reissen - oder andere Konsequenzen zu ziehen. Die widerliche Entwicklung der AfD ist da doch für jede und jeden ein warnendes negatives Beispiel.
Ich bzw. wir haben da zumindest bis jetzt leider noch keine klaren anderen Stimmen von den Freien Wähler(Innen) gehört.
Grundsätzlich sollte der sich immer stärker verbreitende Populismus nicht nur bei den meisten Parteien des gesamten politischen Spektrums, sondern leider auch in den sozialen wie den klassischen Medien runtergefahren werden. Denn wenn politische Parteien keine sachliche Debatte mehr führen, sich hingegen gegenseitig verdächtigen, beleidigen und diskreditieren, dann gewinnen nur die ExtremistInnen - und nicht nur bei uns in Deutschland vor allem die am rechten Rand. Genauso stehen da aber auch die ganze Gesellschaft - also wir BürgerInnen, eben die Medien, die Wirtschaft oder beispielsweise gleichwohl wir Kulturschaffenden - in der Verantwortung.
Das sollte doch gerade besonders in unserem Land jede und jeder aus den dunkelsten Tagen unserer Geschichte gelernt haben….
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