
27.02.2024
Statement zur Absage: MC Bogy & B-Lash: "100% Realtalk"-Podcast am 28.02.24 – "Keine Bühnen für Antisemiten, Verschwörungsprediger und Anti-Demokraten!"
Statement
Statement zur Absage
MC Bogy & B-Lash: “100% Realtalk”-Podcast am 28.02.24
Keine Bühnen für Antisemiten, Verschwörungsprediger und Anti-Demokraten!
Liebe Fans, Gäste und interessierte Mitmenschen,
wie Ihr vielleicht schon mitbekommen habt, ist die Veranstaltung von MC Bogy & B-Lash am 28.02.24 im BACKSTAGE sowie die weitere Tour in ganz Deutschland abgesagt worden.
Wir im BACKSTAGE stehen bekanntlich völlig zur Meinungs- und Kunstfreiheit. Diese ist eines der höchsten Werte unserer Demokratie, weswegen wir auch im Verhältnis zur enormen Fülle unseres Programms im äußerst geringen Maße auch in verschiedenster Hinsicht extremere, provozierende sowie vereinzelt „umstrittenere“ KünstlerInnen und Szenen zulassen, sofern diese unsere Grenzen nicht überschreiten. Damals wie heute gehören auch solche Aspekte zu Sub- und Jugendkulturen.
Bei diesen beiden „Künstlern“ sehen wir allerdings die Überschreitung der Grenzen als absolut gegeben an — allein schon durch ein Posting im Dezember von MC Bogy bei Instagram (das wir aufgrund der Widerlichkeit an dieser Stelle nicht veröffentlichen/weiterverbreiten wollen), welches eindeutig als antisemitisch und antidemokratisch einzustufen ist. Wir betonen ausdrücklich, dass es aber nicht nur dieses eine Posting, sondern darüber hinaus deren Zusammenarbeit mit mehr als zweifelhaften Personen wie u.a. Attila Hildmann, etliche ähnliche Äußerungen bzw. wiederkehrendes entsprechend disruptives und abstoßendes Auftreten insbesondere in deren Podcasts waren, die zu der Absage geführt haben.
In der Gesamtschau blieb uns — ungeachtet des passiven Verhaltens der „Künstler“ — und angesichts der Vorwürfe gar keine andere Option, als den Auftritt abzusagen. Offensichtlich haben diese Beurteilung daraufhin auch andere Locations in Deutschland und/oder der Tourneeveranstalter so gesehen, weswegen im Januar die gesamte Tour gestrichen wurde. Im Übrigen ist das nicht das erste Mal, dass wir durch unsere kritische Recherche und unser Engagement dazu beigetragen haben, dass andere Agenturen, VeranstalterInnen und Locations die Zusammenarbeit mit entsprechenden KünstlerInnen storniert haben.
Zugleich müssen wir an dieser Stelle auch deutlich machen: Als wir dem Veranstalter Ende Herbst 2023 unsere Location vermietet haben, war uns von der Problematik mit den beiden „Künstlern“ nichts bekannt. Wir danken an dieser Stelle auch den Leuten aus der Szene, die sich kurz vor Weihnachten an uns gewandt und auf die aktuellen Verfehlungen aufmerksam gemacht haben. Es ist immer in unserem Interesse, wenn sich Fans mit Fakten frühzeitig bei uns melden, damit wir solche Vorwürfe prüfen können. Wir haben das dann in Eigenrecherche sogar über die Weihnachtsferien gemacht und den Termin bereits Anfang Januar gecancelt. Das ist der feine, aber gewaltige Unterschied zwischen sogenannter „Cancel Culture“ und gesellschaftlicher, menschlicher Verantwortung!
Bei mehr als 1000 Veranstaltungen und Bands im Jahr ist es uns schlichtweg nicht möglich, jede einzelne Band intensiv und zeitnah zu prüfen, vor allem wenn wir nicht selbst VeranstalterIn, sondern nur VermieterIn an eine Agentur oder eine/n VeranstalterIn sind. Deswegen ist es für den Kampf gegen Extremismus und zum Schutz der jeweiligen Fanszenen hilfreich, Unterstützung aus der Fanszene zu bekommen, was bspw. im Metal sehr gut funktioniert.
In diesem Kontext irritiert es uns doch sehr, dass im Fall MC Bogy /B-Lash von den AktivistInnen bzw. politischen Organisationen, die sich gegen Antisemitismus engagieren, keine Forderungen einer Absage an uns herangetragen wurden. Ebenso stieß die Weiterleitung des antisemitischen Postings von MC Bogey an einige kommunalen MandatsträgerInnen im Stadtrat auf keine Reaktion; angesichts der Vorwürfe und der aktuellen Sensibilität dieses Themas eine Haltung, die wir kaum nachvollziehen können.
Wir müssen daher vermuten, dass ein Auftritt eines Künstlers / einer Künstlerin in unserer Stadt nicht unbedingt nur eine Frage der antisemitischen Haltung ist, sondern eher, wo dieser auftritt - wie auch die Konzerte von Kollegah oder Farid Bang gezeigt haben. Wir meinen: Wenn Bands beispielsweise als antisemitisch beurteilt werden, dann bitte nicht nur im BACKSTAGE, sondern in ganz München und Deutschland. Für uns ist Antisemitismus überall inakzeptabel - ob hier im BACKSTAGE, in anderen frei finanzierten, öffentlich geförderten und sogar von der öffentlichen Hand betriebenen Hallen.
Wir dulden seit 33 Jahren weder Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus, die Verbreitung von Verschwörungstheorien oder sonstige menschenverachtende Haltungen, noch Personen wie Gruppierungen, die solche Haltungen tolerieren oder gar propagieren, selbst wenn dies — wie gerade in jüngster Zeit — auch uns gegenüber von einigen immer wieder anders und falsch verbreitet wird.
Genauso werden wir aber eine Absage immer als das letzte Mittel sehen, weil wir niemanden vorschnell oder gar wegen falscher Vorwürfe verurteilen wollen. Daher stehen unsere Türen für kritische Diskussion immer offen, denn es geht uns um die Sache und den effektiven Kampf gegen AntidemokratInnen und der Verachtung von Menschlichkeit jeglicher Art.
Ganz zum Schluss noch eine allgemeine Anmerkung: Wir sind in letzter Zeit in einem zunehmend fast nicht mehr zu bewältigenden und erträglichem Maße mit der Prüfung von selten berechtigten und meist nicht berechtigten Vorwürfen hinsichtlich unterschiedlichster „gesellschaftsrelevanter Verfehlungen“ von KünstlerInnen beschäftigt. Dabei beobachten wir mit größter Sorge, dass vor allem der immer schon von den unterschiedlichsten, oft gegensätzlichen Seiten, mal verdeckte, mal offen zu Tage tretende — Antisemitismus seit dem monströsen Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 massiv zunimmt. Hierzu werden wir ein weiteres Statement, das wir eigentlich schon seit Oktober 2023 verfasst haben, demnächst veröffentlichen.
Bei inhaltlichen Rückfragen oder weiteren Hintergrundinformationen zu diesem Thema könnt Ihr Euch gerne an uns wenden: politics@backstage.eu
Hinsichtlich der Rückgabe womöglich bereits gekaufter Tickets wendet Euch bitte an die Vorverkaufsstelle, wo ihr die Tickets gekauft habt.
Vielen Dank für Euer Verständnis! Bleibt kritisch, demokratisch, mitmenschlich und trotz der fast allerorts heranrückenden Finsternis fröhlich!
Euer BACKSTAGE-Team
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